Sommersonnenwende, Sonnenwendspazierganng und Sonnenwendstrauß

Ein Ritual zwischen Rückblick und Neubeginn

Zur Sommersonnenwende habe ich ein kleines Ritual. Ich gehe spazieren und sammle einen Sonnenwendstrauß.

Dabei suche ich die Pflanzen nicht bewusst aus. Ich lasse mich vielmehr von ihnen finden. Manche Pflanzen ziehen meine Aufmerksamkeit auf sich, andere scheinen mich regelrecht anzusprechen. Genau diese dürfen mitkommen und werden Teil meines Straußes.

Für viele Menschen ist die Sommersonnenwende ein Fest des Lichts, der längste Tag des Jahres. Für mich ist sie vor allem ein Moment des Innehaltens. Ein Zeitpunkt, an dem ich zurückblicke und gleichzeitig nach vorne schaue.

Was die Pflanzen mir zeigen

Nach meinem Spaziergang beschäftige ich mich mit den Pflanzen, die in meinem Strauß gelandet sind. Ich schaue nach, welche Eigenschaften und Bedeutungen ihnen zugeschrieben werden. Nicht, weil ich glaube, dass sie meine Zukunft vorhersagen können. Sondern weil sie mir helfen, Fragen zu stellen.

Warum hat mich genau diese Pflanze angesprochen? Welche Qualität berührt mich gerade? Wonach sehne ich mich? Was wünsche ich mir für die kommende Zeit?

Oft entstehen daraus Gedanken und Erkenntnisse, die weit über die Pflanzen hinausgehen. Die Pflanzen werden zu einem Spiegel. Sie helfen mir dabei, wahrzunehmen, was bereits in mir angelegt ist und vielleicht mehr Raum bekommen möchte.

Der Strauß des vergangenen Jahres

Nachdem ich meinen neuen Sonnenwendstrauß gebunden und zum Trocknen aufgehängt habe, richte ich meine Aufmerksamkeit auf den Strauß des vergangenen Jahres.

Dann frage ich mich: Was ist seit der letzten Sommersonnenwende geschehen? Welche Erfahrungen durfte ich machen? Was habe ich gelernt? Wo bin ich gewachsen?

Im vergangenen Jahr bestand mein Strauß aus Pflanzen, die mit Themen wie Selbstfürsorge, Intuition, Erdung, Heilung und innerer Stärke verbunden werden. Als ich mich damals mit ihren Bedeutungen beschäftigt habe, konnte ich noch nicht wissen, welche Rolle diese Qualitäten in den kommenden Monaten spielen würden.

Heute erkenne ich vieles davon in meinem vergangenen Jahr wieder. Nicht, weil die Pflanzen die Zukunft vorhergesagt hätten. Sondern weil sie meine Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen gelenkt haben. Vielleicht auf Themen, die bereits in mir vorhanden waren und darauf gewartet haben, gesehen zu werden.

Loslassen und danken

Zum Abschluss verbrenne ich den Sonnenwendstrauß des vergangenen Jahres. Für mich ist das kein Abschied im traurigen Sinne. Es ist vielmehr ein Zurückgeben.

Die Pflanzen haben mich ein Jahr lang begleitet. Sie haben mich an bestimmte Qualitäten erinnert und waren Teil meiner Reflexion. Nun dürfen sie zurück zu Mutter Natur.

Ich bedanke mich für ihre Unterstützung, würdige das vergangene Jahr und lasse los, was gehen darf.

Die Weisheit der Zyklen

Vielleicht ist es genau das, was ich an der Sommersonnenwende so liebe. Sie erinnert mich daran, dass das Leben in Zyklen verläuft. Dass es Zeiten des Wachsens und Zeiten des Loslassens gibt. Zeiten des Aufbruchs und Zeiten der Rückschau.

Mein Sonnenwendstrauß hilft mir, diese Übergänge bewusst wahrzunehmen. Er erinnert mich daran, dass nicht alles geplant werden muss und dass manche Antworten erst entstehen, wenn wir bereit sind, aufmerksam zuzuhören.

Den Pflanzen am Wegesrand. Dem Leben. Und uns selbst.

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